FAU own research funding: EFI / IZKF / EAM ...
Start date : 01.12.2025
End date : 30.03.2027
Zahlreiche Studien zeigen, dass transkulturelle Kompetenz ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Gelingen von Interaktionen zwischen Personen aus unterschiedlichen Kulturen ist, beispielsweise im Rahmen einer Psychotherapie (Soto et al., 2018; Tao et al., 2015; Wampold & Owen, 2021). Transkulturelle Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit, mit Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft effektiv zusammenzuarbeiten. Angesichts der zunehmenden Diversität unserer Gesellschaft ist die gezielte Förderung transkultureller Kompetenz in verschiedenen Interaktionskontexten zentral. Dazu zählen einerseits die Psychotherapie und die psychologische Beratung, andererseits aber beispielsweise auch die universitäre Lehre, die Lehrer:innenausbildung oder medizinische Beratungskontexte.
In einer eigenen Studie haben wir spezifisch für Psychotherapeut:innen ein Training zur Förderung transkultureller Kompetenzen entwickelt (CulTher-Training) und in einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 335 klinischen Psycholog:innen evaluiert (Studer et al., 2024, submitted). Die Ergebnisse zeigen, dass das Training zu einer deutlichen Wissensverbesserung führte und Teilnehmende ein höheres Kompetenzerleben berichteten (Nuhn et al., in press). Dabei muss jedoch einschränkend ergänzt werden, dass die Kompetenz nur mittels Fragebogen und damit im Selbstbericht erhoben wurde, da Verfahren zur objektiven Erfassung der transkulturellen Kompetenz bisher fehlen. Selbstberichtsverfahren sind anfällig für Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit und Selbstüberschätzung und bilden dadurch die tatsächliche Handlungskompetenz nur unzureichend ab (Caron et al., 2020; Wilcox et al., 2020). Eine Alternative sind anwendungsorientierte Tests, d.h. Prüfungen mit Simulationspersonen, die realitätsnäher und objektiver sind. Allerdings sind diese Tests personell und finanziell zu aufwendig für den flächendeckenden Einsatz. Zusätzlich zur reinen Prüfungsdurchführung müssen vorab Prüfungssituationen entwickelt und Prüfende und Simulationspersonen aufwändig geschult werden. Eine aktuelle Studie (Nelles et al., 2024) zeigte, dass für 39 zu prüfende Personen ein Gesamtaufwand von 85 Personentagen für eine anwendungsorientierte Prüfung benötigt wird. Es braucht daher also Messinstrumente, die kulturelle Kompetenz objektiver messen, gleichzeitig aber auch ressourcenschonend bei einer großen Anzahl von zu prüfenden Personen eingesetzt werden können.
Ziel des geplanten Projekts ist daher, ein standardisiertes, objektives und gleichzeitig praxisnahes Messinstrument zur Erfassung transkultureller Kompetenz zu validieren. Das Messinstrument soll zum einen genutzt werden, um die Wirksamkeit entsprechender Trainings zu evaluieren (z.B. Erfassung von Kompetenzerwerb im prä-post-Vergleich). Zum anderen soll es auch als Lernmedium selbst eingesetzt werden, d.h. Trainingsteilnehmende können damit ihren Kompetenzerwerb fortlaufend prüfen und ihre Trainingsteilnahme (z.B. Menge oder Art der durchgeführten Übungen) kontinuierlich anpassen.
Erweist sich das entwickelte Messinstrument als reliabel und valide, soll es zukünftig in der universitären Lehre sowohl in den Masterstudiengängen Psychologie (in denen Kompetenzerwerb ein zentraler Baustein ist) als auch bei der Implementierung und Evaluation fakultätsübergreifender Trainings zur Förderung transkultureller Kompetenz an der FAU eingesetzt werden.