Third party funded individual grant
Acronym: HEALSPUR
Start date : 01.06.2025
Fersensporne sind knöcherne Wucherungen, die sich am Fersenbein bilden können. Die Entstehung
eines Fersensporns ist ein meist langsamer Prozess, der sich durch eine chronische Entzündung und Belastungen über Monate oder Jahre hinweg bilden kann. Patienten mit diesem Krankheitsbild
erfahren, wie auch mit der häufig damit einhergehende Plantarfasziitis, Schmerzen und Entzündungen.
Eine vielversprechende Behandlungsmethode für Fersensporne mit Plantarfasziitis ist die niedrig
dosierte Röntgentherapie (low-dose radiotherapy, LDRT). Diese zeigt im Vergleich zu anderen
Therapieoptionen, wie zum Beispiel der Kortison-Injektion, geringere Nebenwirkungen und ein
verbessertes Ansprechen. Studien zum Einsatz der LDRT beim Fersensporn mit Plantarfasziitis zeigen,
dass LDRT bei 65 % bis 90 % der Patienten eine deutliche und langanhaltende Schmerzlinderung
erreichen kann. Die Therapie erscheint besonders vielversprechend bei Patienten, bei denen die
Behandlung innerhalb der ersten 6 Monate nach Symptombeginn initiiert wird. In der Diagnose und
Beurteilung der Erkrankung spielt die Bildgebung eine wichtige Rolle. Während hierbei vor allem
Ultraschall eingesetzt wird, hängt die Qualität jedoch oft von der Erfahrung des Anwenders ab. Hier
bietet das MRT eine detaillierte Darstellung von Entzündungen und Gewebeveränderungen und kann
mittels Deep Learning-basierter Bildverbesserung (Deep Resolve Boost) und neuen MRT-Protokollen
zu einer optimierten quantitativen Erfassung der Erkrankungsintensität und -ausdehnung beitragen
(Teilprojekt: MRT-basierte Quantifizierung beim Fersensporn). Patienten mit einem Fersensporn mit
Plantarfasziitis zeigen weiterhin häufig eine Einschränkung der Gehfähigkeit was zu einem Verlust der
Mobilität im beruflichen und privaten Umfeld führen kann. Dies führt nicht selten zu einer erheblichen
Einschränkung der Lebensqualität. Während eine Beurteilung der Schmerzsymptomatik bereits in
mehreren Studien untersucht wurde, fehlt der Nachweise einer objektivierbaren klinischen
Verbesserung der Funktionalität weitestgehend. Dies soll mit Hilfe von Ganganalysen und
orthopädischen Untersuchungen innerhalb der Studie untersucht werden (Teilprojekt Prof. Dr. Marcel
Betsch, Dr. Stefan Söllner). Obwohl einige klinische Studien die Effektivität der niedrig dosierten
Röntgenstrahlung (LDRT) bei der Behandlung von Fersensporn mit Plantarfasziitis mit Hinblick auf
analgetische Parameter untersucht haben, fehlen bislang die molekularen Grundlagen für die
beobachteten anti-entzündlichen und schmerzlindernden Effekte weitestgehend. An den
entzündlichen Prozessen, die mit Fersensporn und Plantarfasziitis verbunden sind, sind Immunzellen
wie zum Beispiel Makrophagen und T Zellen beteiligt, die eine zentrale Rolle bei der
Entzündungsreaktion durch Freisetzung entzündlicher Moleküle spielen, und dadurch den
Entzündungsvorgang aufrechterhalten und Schmerzen und Schwellungen verstärken. Neben
Zytokinen wie IL1β, IL6, und TNFα, sind auch Enzyme wie Matrixmetalloproteinasen (MMPs) und
Cyclooxygenase-2 (Cox2) an der Entstehung der Erkrankung beteiligt, da sie die Struktur der
Plantarfaszie beeinflussen und den Krankheitsverlauf verschlimmern können. Eine Abnahme dieser
entzündlichen Faktoren im Patientenblut könnte somit auf eine schmerzlindernde Wirkung hinweisen
und die Entzündung sowie die Entstehung von Fersenspornen verringern (Teilprojekt Dr. Lisa Deloch).
Ein weiterer biologischer Faktor, der bisher im Zusammenhang mit Fersensporn und Plantarfasziitis
nicht untersucht wurde, ist das Komplementsystem. Das Komplement ist ein wichtiger Bestandteil der
angeborenen Immunantwort der eine Rolle bei der Entzündungsmodulation spielt und, laut ersten
Hinweisen, auch eine Bedeutung in Erkrankungen mit einer chronischen Entzündungskomponente
haben kann, was die Vermutung nahelegt, dass das Komplement ebenfalls zur Wirksamkeit der LDRT
beitragen könnte. Um diese Hypothese zu überprüfen sollen daher in vorliegender Studie
Komplementbestandteile im Patientenserum untersucht werden (Teilprojekt Dr. Michael Rückert). Die
hier geplante Studie soll erstmals die bekannten schmerzlindernden Effekte der LDRT mit weiteren
klinischen Parametern (Teilprojekt Dr. Thomas Weissmann), sowie Entzündungsmarkern und
bildgebenden Befunden, Funktionellen Analysen und biologischen Parametern korrelieren. Ziel ist es,
objektive Kriterien zur Bewertung des Therapieerfolgs zu entwickeln und die zugrunde liegenden
molekularen Mechanismen besser zu verstehen. Dadurch sollen auch potenzielle Biomarker
identifiziert werden, die eine Vorhersage des Therapieerfolgs ermöglichen. Dies könnte dazu
beitragen, Patienten bereits vor der Behandlung besser zu stratifizieren und die LDRT gezielter
einzusetzen. Zusammenfassend soll die Studie einen umfassenden Überblick über die Wirksamkeit der
LDRT bei Fersensporn mit Plantarfasziitis geben und die Basis für zukünftige, placebokontrollierte
Studien legen.