Grüne E, Popp J, Fiedler DV, Geidl W, Sudeck G, Pfeifer K (2026)
Publication Type: Conference contribution, Abstract of lecture
Publication year: 2026
Series: Deutscher Kongress für Rehabilitationsforschung. Fairsorgt in der Reha? Vielfalt leben – Chancengleichheit schaffen.
Book Volume: 132
Pages Range: 465-467
Conference Proceedings Title: 35. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium
Event location: Leipzig
ISBN: 978-3-947949-28-1
Hintergrund und Zielstellung
Ein zentrales Ziel der Bewegungstherapie in der medizinischen Rehabilitation ist es, Menschen zu befähigen, eigenständig körperlich aktiv zu sein. Oftmals gelingt es Rehabilitand*innen nach einer medizinischen Rehabilitation nicht, ihre körperliche Aktivität im Alltag aufrechtzuerhalten oder zu steigern. Ein möglicher Grund dafür ist, dass bewegungstherapeutische Konzepte häufig vorrangig auf die körperliche Funktionsfähigkeit ausgerichtet sind und weniger auf eine langfristige Bewegungsförderung (Geidl et al., 2022). Die Förderung individueller Kompetenzen zur Initiierung und Aufrechterhaltung eines körperlich aktiven Lebensstils in Form der bewegungsbezogenen Gesundheitskompetenz (BGK; Carl et al., 2020) stellt eine vielversprechende Strategie der Bewegungsförderung dar und ist in Kapitel A der Klassifikation therapeutischer Leistungen als Ziel formuliert (Deutsche Rentenversicherung, 2025). Inwiefern diese Kompetenzen in der bewegungstherapeutischen Praxis Berücksichtigung finden, ist bislang unklar. Ziel des vorliegenden Beitrags im Rahmen des Projekts STABEKO ist es, den Status quo einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie in drei Rehabilitationseinrichtungen zu erörtern.
Methoden
Der Status quo einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie wurde querschnittlich mithilfe von Fragebögen ermittelt. In Anlehnung an „Patient-Reported Experience Measures“ (PREMs) wurde ein Fragebogen zur Erfassung der Erfahrungen der Rehabilitand*innen mit einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie entwickelt und eingesetzt (n = 222). Analog dazu wurden sogenannte „Therapist-Reported Action Measures“ (TRAMs) erörtert. Daraufhin wurde ein Fragebogen entwickelt und eingesetzt (n = 36), der die Handlungsweise von Bewegungstherapeut*innen in Bezug auf die (a) Umsetzung von, (b) Haltung gegenüber und (c) Kompetenz zur Vermittlung einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie erfasst. Die PREMs und jeweiligen TRAMs wurden anhand von jeweils elf Items erhoben, die auf einer fünfstufigen Likert-Skala bewertet wurden (1 = trifft nicht zu bis 5 = trifft sehr zu). Inhaltlich bilden diese Items Aspekte der BGK, des Handlungsmodells zur BGK-Förderung (Pfeifer et al., 2013) sowie der Praxisempfehlungen für die Bewegungstherapie zur Bewegungsförderung in der medizinischen Rehabilitation (Matting et al., 2025) ab. Es folgte eine deskriptive Analyse der Daten.
Ergebnisse
Insgesamt zeigten sich über die drei Einrichtungen hinweg sowohl bei den Rehabilitand*innen (3,54 ≤ MW ≤ 4,62) als auch Bewegungstherapeut*innen (3,00 ≤ MW ≤ 4,60) mittlere bis hohe Zustimmungen zur Umsetzung einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie. Auffallend ist, dass nach Berichten der Rehabilitand*innen und Bewegungstherapeut*innen Aspekte im Zusammenhang mit der Planung und Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität offenbar weniger umgesetzt wurden als solche, die die praktische Durchführung körperlicher Aktivität betreffen. Im Hinblick auf die jeweiligen Bereiche der TRAMs zeigte sich, dass nach Angabe der Bewegungstherapeut*innen bei der Umsetzung einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie (MWD = 0,61) tendenziell größere Unterschiede zwischen den Einrichtungen bestehen als bei der Haltung gegenüber (MWD = 0,30) sowie Kompetenz zur Vermittlung einer (MWD = 0,32) bewegungsförderlichen Bewegungstherapie.
Diskussion und Fazit
Dieser Beitrag liefert Einblicke zum Status quo einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie in drei Rehabilitationseinrichtungen aus Perspektive von Rehabilitand*innen und Bewegungstherapeut*innen. Die Ergebnisse ermöglichen es, die Stärken und Weiterentwicklungspotenziale in der Bewegungstherapie in Bezug auf Bewegungsförderung zu identifizieren und bei Bedarf gezielt zu adressieren, um somit die körperliche Aktivität von Rehabilitand*innen langfristig zu fördern. Beispielsweise kann der eingeschränkte Fokus auf die Planung und Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität eine verpasste Chance darstellen, eine nachhaltige Verhaltensänderung bei Rehabilitand*innen zu unterstützen. Darüber hinaus verdeutlicht die unterschiedliche Umsetzung in den einzelnen Einrichtungen die Notwendigkeit standardisierter und erweiterter bewegungstherapeutischer Konzepte, um die Förderung körperlicher Aktivität in medizinischen Rehabilitationseinrichtungen flächendeckend zu verbessern.
Take-Home-Message
Die innovative Abfrage der PREMs und TRAMs ermöglicht Einblicke in den Status quo einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie aus Sicht der Rehabilitand*innen und Therapeut*innen und zeigt Potenziale zur nachhaltigen Bewegungsförderung auf.
Literatur
Carl, J., Sudeck, G., Pfeifer, K. (2020): Competencies for a healthy physically active lifestyle – Reflections on the Model of Physical Activity-related Health Competence (PAHCO). Journal of Physical Activity and Health, 17(8). 853.
Deutsche Rentenversicherung Bund (2025): KTL. Klassifikation therapeutischer Leistungen in der medizinischen Rehabilitation. Version 2025 (7. Aufl.). Deutsche Rentenversicherung.
Geidl, W., Sudeck, G., Wais, J., Pfeifer, K. (2022): Bewegungsförderliche Bewegungstherapie in der medizinischen Rehabilitation: Konsequenzen der bundesweiten Bestandsaufnahme für die Qualitätsentwicklung. Rehabilitation, 61. 336-343.
Matting, L., Pfeifer, K., Sudeck, G., Jung, A., Langhirt, F., Geidl, W. (2025): Physical activity promotion in physical therapy, exercise therapy and other movement-based therapies: a scoping review and content analysis of intervention studies and theoretical works. Int J Behav Nutr Phys Act, 22. 72.
Pfeifer, K., Sudeck, G., Geidl, W., & Tallner, A. (2013): Bewegungsförderung und Sport in der Neurologie – Kompetenzorientierung und Nachhaltigkeit. Neurol Rehabil, 19(1). 7-19.
Interessenkonflikt: Die Autor:innen haben keinen Interessenkonflikt angegeben.
Förderung: Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd und Deutsche Rentenversicherung Nordbayern
APA:
Grüne, E., Popp, J., Fiedler, D.V., Geidl, W., Sudeck, G., & Pfeifer, K. (2026). Status quo einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie: Erkenntnisse über die Erfahrungen von Rehabilitand*innen und Handlungsweise von Bewegungstherapeut*innen. Paper presentation at 35. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium, Leipzig.
MLA:
Grüne, Eva, et al. "Status quo einer bewegungsförderlichen Bewegungstherapie: Erkenntnisse über die Erfahrungen von Rehabilitand*innen und Handlungsweise von Bewegungstherapeut*innen." Presented at 35. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium, Leipzig Ed. Deutsche Rentenversicherung Bund, 2026.
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