Eckert S (2026)
Publication Language: German
Publication Type: Journal article
Publication year: 2026
Im Kontext geopolitischer Veränderungen wie etwa dem Aufstieg neuer Wirtschaftsmächte, aber auch der US-amerikanischen Abkehr vom liberalen Internationalismus hat sich das Umfeld für die Außenwirtschaftspolitik der Europäischen Union (EU) sowie die Unternehmen in der EU signifikant verändert. Vor diesem Hintergrund entwickelt dieser politikwissenschaftliche Beitrag eine Forschungsagenda und einen konzeptuellen Rahmen zur Beantwortung von zwei Fragen: Erstens, ob die EU an der bisherigen Ausrichtung ihrer Außenwirtschaftspolitik festhält oder diese neu ausrichtet; zweitens, wie sich diese Veränderungen auf die politische Rolle von Unternehmen auswirken. Während die erste Frage bereits zu einer umfassenden Forschungsaktivität hinsichtlich einer veränderten globalen Rolle der EU führt, bleiben die bisher vorliegenden Studien weitgehend zentriert auf die politische Arena, sodass insbesondere die zweite Frage hinsichtlich der Rolle von Wirtschaftsakteuren neue Perspektiven eröffnet. Der Beitrag umreißt zunächst den veränderten internationalen Kontext und entwickelt dann auf der Grundlage relevanter Sekundärliteratur einen konzeptuellen Rahmen, der das Zusammenwirken der Internationalen Wirtschaftsordnung, der gewählten Strategie in der Außenwirtschaftspolitik sowie der politischen Rolle von Unternehmen analytisch erfasst. Dabei wird eine Abkehr vom liberalen Paradigma als geoökonomische Wende konzeptualisiert und erörtert, was in diesem Kontext unter einer geopolitischen Unternehmensverantwortung verstanden werden kann. Die durch bereits vorhandene Sekundärliteratur informierte Auswertung jüngst von der EU verabschiedeten außenwirtschaftlichen Maßnahmen zeigt, dass die EU-Außenwirtschaftspolitik vereinzelt durchaus eine dezidiert geoökonomische Ausrichtung verfolgt und damit für Unternehmen und Wirtschaftsverbände die Frage aufwirft, ob sie diese Neuausrichtung unterstützen. Die vorläufigen Befunde zur Positionierung von Unternehmen bzw. Wirtschaftsverbänden in Konsultationen zu geoökonomischen Vorhaben der EU deuten darauf hin, dass Unternehmen in Abhängigkeit von ihrem Geschäftsmodell und der Struktur der Wertschöpfungskette geoökonomische Maßnahmen nur bedingt unterstützen und durchaus kritisch sehen. Fördermaßnahmen für die in der EU ansässige Industrie finden dabei höhere Zustimmung als sanktionierende Maßnahmen. In der Unternehmenspraxis und öffentlichen Kommunikation scheinen geopolitische Motive vor allem dann eine Rolle zu spielen, wenn wie im Falle des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine der gesellschaftspolitische Druck entsprechend hoch ist. Der Beitrag zieht das Fazit, dass die Rolle von Unternehmen in der weiteren Ausgestaltung, aber insbesondere auch der Umsetzung einer geoökonomischen Agenda, aus einer polit-ökonomischen Perspektive noch mehr Aufmerksamkeit in der sozialwissenschaftlichen Forschung verdient.
APA:
Eckert, S. (2026). Europäische Außenwirtschaftspolitik und die politische Rolle von Unternehmen in der Ära der Geoökonomik. ORDO - Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft. https://doi.org/10.1515/ordo-2026-3012
MLA:
Eckert, Sandra. "Europäische Außenwirtschaftspolitik und die politische Rolle von Unternehmen in der Ära der Geoökonomik." ORDO - Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft (2026).
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