„Solange ich den Roter Faden im Hand hab ist doch alles gut.“ Desintegration als literarische Strategie in Tomer Gardis Roman Broken German

Prager L (2026)


Publication Language: German

Publication Type: Conference contribution, Abstract of lecture

Publication year: 2026

Event location: LMU München DE

Abstract

Bei dem Roman Broken German von Tomer Gardi (2016) handelt es sich auch zehn Jahre später noch um ein prominentes Beispiel für poetische Strategien der Dissimilation in der und aus der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Im Vortrag soll diese Poetik mit einem Verständnis von Desintegration als literarischer Strategie analysiert werden, die Elemente der Erwartungsverweigerung, des Austrittes und der Selbstpositionierung konsequent ästhetisch umsetzt.

Zunächst soll der Diskurs um Desintegration als politische Strategie rekapituliert werden. Ausgehend von Desintegration – Ein Kongress jüdischer Positionen (2016) und den nachfolgenden Publikationen in der Zeitschrift Jalta (2017) werden zentrale Forderungen nach einer Selbstbestimmung des Jüdischseins in Deutschland und der damit verbunden Kritik am Integrationsparadigma nachvollzogen. Die aktivistische und performative Umsetzung bei den Radikalen Jüdischen Kulturtagen (2017) und die konsequente Weiterentwicklung aus postmigrantischer Perspektive beim 3. Berliner Herbstsalon. Desintegriert euch!(2017), und aus jüdischer Perspektive durch Desintegriert euch! (2018) von Max Czollek, soll zusammengefasst werden. So kann gezeigt werden, dass die ästhetische Dimension von Desintegration von Anfang an mitgedacht wurde, ihr Potenzial gerade in der Gestaltung literarischer Texte jedoch unterschätzt wurde.

In der Textanalyse wird untersucht, wie dieses Potenzial bereits 2016 in Broken German ausgereizt wurde. Desintegration wird daher als literarische Strategie detailliert anhand dreier Aspekte der Gestaltung analysiert: 1) die gebrochene Sprache als Verweigerung von Assimilation und Ausdruck einer gemeinsamen jüdischen und postmigrantischen Perspektive; 2) die Metanarration als Bruch mit Erzählkonventionen und Türöffner für selbstbewusste und selbstreflexive Positionierung; 3) der Bruch mit dem Genre der Erinnerungsliteratur als Erwartungsverweigerung und Austritt aus dem sogenannten Gedächtnistheater. 

Der Roman geht somit weit über die bloße inhaltliche Thematisierung von Desintegration hinaus. Der Bruch mit den Regeln der Sprache, der Narration und des Genres ermöglicht überhaupt erst intradiegetisch desintegrative Elemente der Erwartungsverweigerung, des Austritts und der Selbstpositionierung und setzt diese extradiegetisch zugleich performativ durch. 

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How to cite

APA:

Prager, L. (2026). „Solange ich den Roter Faden im Hand hab ist doch alles gut.“ Desintegration als literarische Strategie in Tomer Gardis Roman Broken German. Paper presentation at Zwischen Assimilation und Dissimilation. Jüdische Stimmen deutscher Sprache nach 1945., LMU München, DE.

MLA:

Prager, Luise. "„Solange ich den Roter Faden im Hand hab ist doch alles gut.“ Desintegration als literarische Strategie in Tomer Gardis Roman Broken German." Präsentiert bei Zwischen Assimilation und Dissimilation. Jüdische Stimmen deutscher Sprache nach 1945., LMU München 2026.

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