Kinderrechte und Mitbestimmung aus der Perspektive von Grundschulkindern: Schülervorstellungen über Kinderrechte und ihre wahrgenommene Mitbestimmung

Gerbeshi-Achatz L (2026)


Publication Type: Thesis

Publication year: 2026

DOI: 10.25593/open-fau-2807

Abstract

Kinderrechte umfassen Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte und zielen darauf ab, Kinder als eigenständige Rechtssubjekte ernst zu nehmen, ihre Entwicklung zu unterstützen und ihnen Gehör sowie Mitbestimmungsmöglichkeiten zu sichern. Im schulischen bzw. unterrichtlichen Kontext sind vorrangig die Beteiligungsrechte, neben den Förderrechten, von Relevanz. Die Beteiligungsrechte sind über Artikel 12 und 13 im Sinne der Mitbestimmung kodifiziert. Obwohl die UN-Kinderrechtskonvention eine völkerrechtlich verbindliche Grundlage bildet und insbesondere durch Artikel 12 und 13 die Mitbestimmung von Kindern auch im schulischen Kontext fordert, bleibt die schulische Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland und weltweit weiterhin defizitär (Bertels & Rott, 2025; Stein & Möbus, 2024). Dies spiegelt sich auch im geringen Kenntnisstand der Kinder über ihre Rechte wider (z. B. Andresen et al., 2019). Der KMK (2018b) zufolge erfordert es sowohl ein Lernen über Kinderrechte, das Wissen über Kinderrechte vermittelt, als auch ein Lernen durch und für Kinderrechte, das die Gewährung der Kinderrechte und die Bedeutung ihrer Einhaltung erfahrbar macht. Vor diesem Hintergrund leistet die vorliegende kumulative Dissertation einen Beitrag zur Erforschung der Kinderperspektive auf Kinderrechte und Mitbestimmung. Auf der Basis von drei in sich abgeschlossenen, thematisch aufeinander abgestimmten Fachartikeln wurden die Vorstellungen von Grundschulkindern zu Kinderrechten sowie ihre wahrgenommene Mitbestimmung im Klassenkontext empirisch untersucht.

Die Dissertation geht aus zwei Forschungsprojekten hervor:

In Forschungsprojekt I, in dessen Kontext Fachartikel I entstand, wurde mittels qualitativer Einzelinterviews untersucht, welche Vorstellungen Grundschulkinder über Rechte, Kinderrechte und deren Relevanz haben. Die Interviews wurden qualitativ inhaltsanalytisch und quantitativ anhand eines deduktiv-induktiv entwickelten Kategoriensystems analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Schüler*innen der dritten Jahrgangsstufe überwiegend eine Kinderrechtsvorstellung, aber keine generelle Rechtsvorstellung besitzen. Die Kinderrechtsvorstellungen sind primär von einzelnen Kinderrechten, insbesondere Schutz- und Förderrechten, geprägt.

Forschungsprojekt II (Fachartikel II und III) widmet sich der Perspektive von Grundschulkindern auf ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten im Klassenkontext. Mitbestimmung wird in Anlehnung an Ertl, Martschinke und Grüning (2022) in verschiedenen Facetten konzeptualisiert und als demokratische Teilhabe verstanden. Im Rahmen einer quantitativen Fragebogenerhebung wurden unterschiedliche Facetten der Mitbestimmung erfasst und neben individuellen Merkmalen der Kinder (z. B. Migrationsgeschichte) auch Merkmale der Unterrichtsqualität als Prädiktoren berücksichtigt. Auf Basis einer explorativen und konfirmatorischen Faktorenanalyse wurden Mehrebenenanalysen durchgeführt, um die geclusterte Datenstruktur zu berücksichtigen. Die Ergebnisse des Fachartikels II verdeutlichen, dass Kinder insbesondere in organisatorischen Belangen Mitbestimmung wahrnehmen, während sie unterrichtsbezogene Mitbestimmungsmöglichkeiten deutlich weniger erleben. Zudem fühlen sich die Kinder zwar informiert und gehört, nehmen jedoch nur wenige Austausch- und Diskussionsprozesse wahr. Es konnte ein positiver Zusammenhang zwischen der wahrgenommenen Mitbestimmung bezüglich organisatorischer Aspekte und der konstruktiven Unterstützung nachgewiesen werden (Fachartikel III).

Zusammenfassend kann aus den Ergebnissen der Dissertation geschlussfolgert werden, dass sowohl bezüglich der Schülervorstellungen als auch hinsichtlich der wahrgenommenen Mitbestimmung von Grundschulkindern im Klassenkontext Handlungsbedarf besteht. Die Vorstellungen von Grundschulkindern zu Kinderrechten sollten erweitert und vertieft werden, um das Bewusstsein von Grundschulkindern für ihre eigenen Rechte und ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten zu stärken. Ein solches Bewusstsein ist notwendig, damit Kinder ihre Rechte auch einfordern können. Zudem verdeutlichen die Befunde, dass es struktureller und pädagogischer Ansätze bedarf, um echte Mitbestimmung im Grundschulunterricht zu ermöglichen. Die Arbeit plädiert für eine nachhaltige Verankerung von Kinderrechten im schulischen Alltag, sowohl durch fundierte Inhalte, die an den Schülervorstellungen orientiert sind, als auch durch vielfältige Mitbestimmungsmöglichkeiten.

How to cite

APA:

Gerbeshi-Achatz, L. (2026). Kinderrechte und Mitbestimmung aus der Perspektive von Grundschulkindern: Schülervorstellungen über Kinderrechte und ihre wahrgenommene Mitbestimmung (Dissertation).

MLA:

Gerbeshi-Achatz, Leonora. Kinderrechte und Mitbestimmung aus der Perspektive von Grundschulkindern: Schülervorstellungen über Kinderrechte und ihre wahrgenommene Mitbestimmung. Dissertation, 2026.

BibTeX: Download