Schreyer J (2026)
Publication Type: Thesis
Publication year: 2026
URI: https://open.fau.de/items/d22c9109-b1bb-4e4c-96d7-592c62582886
Die Plattformisierung als globaler Prozess verändert grundlegend die Art und Weise, wie Arbeit organisiert und wahrgenommen wird, und hat tiefgreifende und langfristige Transformationen zur Folge. Sie ist eng mit Entwicklungen in den Kommunikationstechnologien sowie mit Trends wie der Flexibilisierung, Prekarisierung, Deregulierung der Arbeitsverhältnisse und Finanzialisierung verbunden. Dieser technisch-organisationale Umbau geht einher mit Machtasymmetrien und einem Anstieg der Prekarität, die sich in neuen Herausforderungen für Arbeitnehmende manifestieren. Beschäftigte sehen sich zunehmend einem Geflecht aus Unsicherheiten gegenüber, welches sowohl räumliche als auch soziale Dimensionen umfasst. Der Aufstieg der „Gig Economy“ ist dabei zum entscheidenden Symbol für diesen tiefgreifenden Wandel in der modernen Arbeitswelt geworden. Die Dissertation nimmt das (verschärfte) digitale Ungleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit als Ausgangspunkt und beleuchtet mittels einer qualitativen Fallstudie aus der plattformvermittelten Essenslieferung, die multidimensionale Natur der Solidarität. Exemplarisch wird an den Gig Worker:innen die komplexen Wechselwirkungen zwischen individuellen Idenitäten und kollektiven Interessen aufgezeigt, die sich im Spannungsfeld von Machtasymmetrien und Unsicherheiten herausgebildet haben. Hierbei steht die „Dialektik der Solidarität“ als dynamischer Prozess im Mittelpunkt, in dem individuelle Erfahrungen von Prekarität und Ungerechtigkeit in ein gemeinschaftliches Handlungsbewusstsein transformiert werden. Prekäre Arbeitsbedingungen und der Druck von algorithmischem Management verstärken das Gefühl der Ungerechtigkeit und schaffen somit die Grundlage für kollektive Solidarisierung unter den Gig Worker:innen. Diese Solidarisierung ist jedoch ein dynamischer, dialektischer Prozess, der durch Widersprüche gekennzeichnet ist. Die Ergebnisse zeigen, dass Solidarität nicht nur durch materielle Interessen, sondern auch durch emotionale Bindungen und die Anerkennung von Differenzen zwischen den Arbeiter:innen entsteht. Diese Erkenntnisse basieren auf einer Triangulation qualitativ erhobener Daten, einschließlich Interviews und Social Media Analysen, die verschiedene Perspektiven auf die Themen Solidarisierung und politische Mobilisierung bieten. Die Analyse verdeutlicht, wie digitale Kommunikationsräume als Katalysatoren für solidarisches Handeln fungieren können, wodurch die Gig Worker:innen in der Lage sind, kollektive Aktionen und Protestbewegungen zu initiieren, trotz der Herausforderungen durch missbräuchliche Arbeitspraktiken und unzureichende rechtliche Schutzmaßnahmen. Zudem identifiziert die Dissertation die Fragilität bestehender Solidaritätsstrukturen und die Notwendigkeit kontinuierlicher Reflexion und aktiver Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen, um stabile solidarische Praktiken zu entwickeln. Abschließend wird argumentiert, dass die Dialektik der Solidarität als analytisches Konzept für die heutige Arbeitswelt von wesentlicher Relevanz ist, da sie nicht nur die Mechanismen prekärer Arbeitsverhältnisse beleuchtet, sondern auch Wege zur Förderung einer gerechten und solidarischen Arbeitskultur im digitalen Kapitalismus aufzeigt.
APA:
Schreyer, J. (2026). Dialektik der Solidarität: Solidarity in the Making (Dissertation).
MLA:
Schreyer, Jasmin. Dialektik der Solidarität: Solidarity in the Making. Dissertation, 2026.
BibTeX: Download