Die materielle Kultur des frühen Christentums entlang der sog. Seidenstraßen

Eigenmittelfinanziertes Projekt


Details zum Projekt

Projektleiter/in:
Prof. Dr. Ute Verstegen

Projektbeteiligte:
Alexander Tamm

Beteiligte FAU-Organisationseinheiten:
Lehrstuhl für Christliche Archäologie

Projektstart: 01.10.2018


Forschungsbereiche

Die materielle Kultur des Frühen Christentums jenseits der Grenzen des Römischen Reiches
Lehrstuhl für Christliche Archäologie


Kurzbeschreibung (allgemeinverständlicher Überblick):

Die materielle Kultur des frühen Christentums außerhalb der Grenzen
des Römischen Reiches ist bislang nur selten Gegenstand von
Untersuchungen. Während Handel und die Einbindung christlicher Gemeinden
in den Handel entlang der Seidenstraßen aus den Fachperspektiven der
Kunstgeschichte und der Philologien schon verschiedentlich untersucht
wurden, fällt bei einer Beschäftigung mit der Thematik schnell auf, dass
archäologische Untersuchungen gerade im deutschsprachigen Raum selten
sind. Dies ist vor allem auf die teilweise eng gesteckten Fächergrenzen
im deutschen Wissenschaftssystem zurückzuführen. So orientieren sich die
Christliche Archäologie ebenso wie die Klassische Archäologie
traditionell noch häufig an den ehemaligen Grenzen des Römischen Reiches
bzw. dem Mittelmeerraum, während Regionen östlich davon nur marginal
behandelt werden. Für die Vorderasiatische und die Islamische
Archäologie hingegen sind neben geographischen vor allem zeitliche
Grenzen von Relevanz. Hier werden das Ende des achaimenidischen Reiches
bzw. die Ausbreitung des Islam als chronologischer End- bzw.
Anfangspunkt gesetzt. Die Reiche der Parther und Sasaniden fallen meist
aus dem Betrachtungsrahmen beider Fächer.


Ziel des Projekts zur materiellen Kultur des frühen Christentums
entlang der sog. Seidenstraßen ist es, diese Lücke auf archäologischer
Basis zu schließen und die Ausbreitung des Christentums über das
Mediterraneum hinaus im Osten zu erforschen. Vor allem in den
sasanidisch dominierten Gebieten Vorderasiens – Irak, Iran und
angrenzende Regionen wie im Kaukasus – finden sich zahlreiche Funde und
Befunde, die ein Erstarken der christlichen Religion in der Spätantike
belegen. Aus der schriftlichen Überlieferung ist bekannt, dass diese
historischen Zeugnisse verschiedene Ausprägungen christlicher
Religionsgemeinschaften betreffen, unter denen die sog. Kirche des
Ostens die wichtigste Rolle spielt. Im Befundspektrum hervorzuheben sind
Kirchen und Klöster, die während der spätsasanidischen Zeit errichtet
und häufig noch in frühislamischer Zeit genutzt wurden; diese können als
Nachweis der Existenz größerer Gemeinden bzw. mönchischer Praxis
gelten. Daneben finden sich in zahlreichen Ausgrabungen Objekte, die mit
christlichen Symbolen verziert sind – bspw. Gefäße oder Siegel –, die
oft aufgrund ihres einfachen und alltäglichen Charakters kaum
wahrgenommen werden, aber dennoch nicht weniger wichtig für die
Rekonstruktion der Ausbreitung christlicher Gemeinden sind. In östlicher
Richtung – über Zentralasien bis hin nach China – lässt der christliche
Einfluss zwar langsam nach, aber auch hier finden sich zahlreiche Funde
und Befunde, die eine Verbreitung belegen.


Die Ausdehnung christlicher Kultur wurde stark begünstigt durch den
Handel entlang der Seidenstraßen. Gerade für das sasanidische Reich
wurde auf Basis philologischer Forschungen eine verstärkte Einbindung
christlicher Gemeinden in den Handel postuliert, die sich wahrscheinlich
auf ein weniger gutes Ansehen des Händlerberufes gegenüber anderen
Tätigkeitsgruppen – Priesterschaft, Militär und Landwirtschaft – im
zoroastrischen Glauben zurückführen lässt. Bedingt durch die starke
Integration von Christen im Handel innerhalb des sasanidischen Reiches,
konnte es auch zu einer stärkeren Ausbreitung in östlicher Richtung
kommen. Eng damit verbunden ist auch die Frage nach der Einflussnahme
sasanidischer staatlicher Institutionen. So lässt sich besonders in
spätsasanidischer Zeit in einigen Gebieten eine verstärkte Bautätigkeit
feststellen, die unter anderem mit der Sicherung von Handelsrouten und
dem Abschöpfen von Steuern in Verbindung zu bringen ist. Das sicher
nicht erst in dieser Zeit entstandene Wegenetz kann schon als
rudimentärer Vorläufer des aus islamischer Zeit deutlich besser
bekannten Netzes von Karawansereien gedeutet werden. Für die islamische
Zeit wird vermutet, dass Kirchen und Klöster im Persischen Golf eine
wichtige Rolle im Granat- und Perlenhandel zukam, so dass nicht nur der
Handel auf dem Landweg, sondern auch zur See mit christlichen
Akteursgruppen in Verbindung zu bringen ist. Von Bedeutung ist auch das
Pilgerwesen, denn neben den Wallfahrtsorten in der eigenen Region war
auch für Pilger aus der Kirche des Ostens ebenso wie aus Armenien und
Georgien das Heilige Land ein wichtiges Wallfahrtsziel.


Publikationen

Tamm, A., & Haddad, L. (2019). Sasanian trade networks and the Silk Road – a case study on Gird-i Qilirkh in the Sharezur valley. In Bradosty Z, Zibare A, Abdulrahmen H A, Aziz M O (Eds.), Proceedings of the 3rd International Scientific conference Archaeology and Heritage of Kurdistan, April 29th & 30th, 2019 Erbil. (pp. 756-796). Erbil: Salahaddin University Erbil.

Zuletzt aktualisiert 2019-22-05 um 09:15