Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses Diskurse über die "Zierde des Hauses Gottes" im Kontext der monastischen Heiligung des Lebens

Drittmittelfinanzierte Gruppenförderung - Teilprojekt

Details zum übergeordneten Gesamtprojekt

Titel des Gesamtprojektes: FOR 1533: Sakralität und Sakralisierung in Mittelalter und Früher Neuzeit. Interkulturelle Perspektiven in Europa und Asien (seit 2010)

Sprecher/in des Gesamtprojekts:
Prof. Dr. Klaus Herbers (Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte)


Details zum Projekt

Projektleiter/in:
Prof. Dr. Heidrun Stein-Kecks


Beteiligte FAU-Organisationseinheiten:
Professur für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte

Mittelgeber: DFG / Forschergruppe (FOR)
Projektstart: 01.08.2013
Projektende: 31.12.2017


Forschungsbereiche

Architekturgebundene Bildprogramme und Bilder in sakralen / monastischen Kontexten
Professur für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte


Abstract (fachliche Beschreibung):


Mit dem monastischen Kontext wird derjenige Untersuchungskontext gewählt, in dem Heiligkeit explizit als Konstituierung bzw. Heiligung als Ziel der Lebensform postuliert wird. Zugleich spitzt sich die in der Geschichte des Christentums in Auseinandersetzung mit den eigenen bilderfeindlichen Wurzeln und je zeitgenössischen nicht-christlichen Kontexten immer wieder neu diskutierte Frage der Darstellbarkeit Gottes und des Gottes- und Menschensohnes sowie der Zulässigkeit von materiellen Abbildungen und „heiligen Bildern“ im Kult sowie allgemein in Sakralräumen im frühen 12. Jh. gerade in Bezug auf das Ordensleben zu; im Rahmen seiner allgemeinen reformerischen Kritik zielt Bernhard von Clairvaux auch auf die (Bild-)Ausstattung von exklusiven monastischen Räumen und damit für ein lesekundiges Publikum, für das die traditionelle Begründung von Bildern als didaktisches Instrument nicht greifen kann. Das Projekt untersucht Quellentexte und monumentale Bildprogramme vom ausgehenden 11. bis zur Wende zum 13. Jh. auf ihren Beitrag zum Bilddiskurs des Hochmittelalters hin und prüft die Annahme, dass die neuen Bildkonzepte gerade die Heiligkeit als ein Argument im Bilddiskurs aufgreifen. Als Basis dient der in diesem Zusammenhang immer wieder zitierte Psalm 25/26,8 „an der Zierde deines Hauses habe ich mich erfreut, Herr“, der zu Beginn des 12. Jh. erstmals in wörtlicher Lesart als affirmative Begründung von materiellem Schmuck in Kirchen gewertet wird (Suger von St. Denis, Theophilus presbyter). Der in gewisser Weise korrespondierende Psalm 92/93,5, wonach „Heiligkeit [L] die Zierde deines Hauses, Herr“ ist, eröffnet für die Konzeption von Bildprogrammen gerade in monastischen Räumen, im Chorbereich und in der Klausur, eine Möglichkeit, angemessene Inhalte der Darstellung zu entwickeln, die zugleich der Heiligkeit antizipierenden und nach Heiligung strebenden Lebensnorm des exklusiven Publikums gemäß ist. Die implizite ästhetische Dimension ist in den Texten nachvollziehbar und lässt sich an den herausragenden, erhaltenen Denkmälern analysieren. Wenn das Ordensleben zuletzt durch Giorgio Agamben unter dem innovativen Ansatz als ein Dispositiv ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wurde, fügt sich das hier untersuchte visuelle Dispositiv des Bildschmucks der spezifisch monastischen Ausprägung der Domus Dei in ihrer vielschichtigen Exegese nahtlos an. Neben den zu erwartenden neuen Ergebnissen zu bekannten Texten und Ausstattungsensembles werden ein bislang kaum beachteter Traktat von Boto von Prüfening, De domo Dei, sowie ein noch unbearbeitetes Ensemble einer Konventskapelle mit vollständiger Ausmalung in die Forschung eingeführt.


Publikationen

Stein-Kecks, H. (2017). Die Stigmatisierung der heiligen Katharina von Siena und die Verehrung der 'Croce dipinta' aus Pisa. In Andrea Beck, Klaus Herbers, Andreas Nehring (Eds.), Heilige und geheiligte Dinge. Formen und Funktionen (pp. 143-168). Stuttgart: Franz Steiner.
Stein-Kecks, H. (2014). Theophilus Presbyter, Boto von Prüfening und der Bilderschmuck der Kirchen. In Speer, Andreas (Eds.), Zwischen Kunsthandwerk und Kunst. Die "schedula diversarum artium" (pp. 288-304). Berlin u.a.: De Gruyter.
Stein-Kecks, H. (2012). Bilder – ein Medium der Kommunikation für Mönche? In Andenna Cristina, Herbers Klaus, Melville Gert (Eds.), Die Ordnung der Kommunikation und die Kommunikation der Ordnungen. Bd. 1: Netzwerke: Klöster und Orden im Europa des 12. und 13. Jahrhunderts (pp. 223-242). Stuttgart: Steiner.

Zuletzt aktualisiert 2018-22-11 um 18:41