Historisch-kritische Edition und Kommentar der Werke von Julius Wilhelm Zincgref, Bd. V/2: Deutsche politische Schriften

Drittmittelfinanzierte Einzelförderung


Details zum Projekt

Projektleiter/in:
Prof. Dr. Dirk Niefanger

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Theodor Verweyen
Dr. Victoria Gutsche
René Wundke
apl. Prof. Dr. Werner Wilhelm Schnabel

Beteiligte FAU-Organisationseinheiten:
Department Germanistik und Komparatistik
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur mit systematischem Schwerpunkt
Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie

Mittelgeber: DFG-Einzelförderung / Sachbeihilfe (EIN-SBH)
Projektstart: 01.01.2015


Forschungsbereiche

Kultur der Frühen Neuzeit
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur mit systematischem Schwerpunkt


Abstract (fachliche Beschreibung):


Im Rahmen der historisch-kritischen Werkausgabe sollen die deutschsprachigen politischen Schriften Julius Wilhelm Zincgrefs erstmals wissenschaftlich ediert und umfassend kommentiert werden. Der bedeutende Heidelberger Autor ist im direkten Umfeld von Martin Opitz und damit im Zentrum der literarischen Reformbemühungen um 1620/30 angesiedelt. Er fungierte zu seiner Zeit als einer der wichtigsten Vermittler literarischer Formen aus den 'fortschrittlicheren' romanischen Kulturen in die noch 'unterentwickelte' deutschsprachige Bildungsliteratur. Das Korpus besteht aus Texten geringeren Umfangs zu unterschiedlichen, i.d.R. aktuellen Themen von öffentlichem Interesse, die - deskriptiv, satirisch, polemisch oder auch appellativ - politische und militärische Ereignisse bzw. kulturelle und soziale Prozesse der Frühphase des Dreißigjährigen Krieges in Augenschein nehmen. Damit rücken sie die 'politische' Dimension des Zincgrefschen Schaffens in den Mittelpunkt, die von der Wissenschaft bisher nur unzureichend wahrgenommen worden ist. Die Flugblätter und Flugschriften dokumentieren die Positionierungen eines an der Schwelle zwischen späthumanistischer und frühbarocker Periode angesiedelten Autors zu zentralen Ereignissen seiner Zeit, der - anders als die meisten seiner kanonisierten (nämlich lutherischen) Zeitgenossen - eine dezidiert reformierte Sicht auf die Dinge vertritt. Im Unterschied zum gängigen zeitgenössischen Kleinschrifttum wurden die Politica Zincgrefs zeitgenössisch breit rezipiert, was sich nicht zuletzt in der mehrfachen (z.T. vielfachen) Auflage und entsprechenden inhaltlichen und formalen änderungen und Anpassungen innerhalb der einzelnen Ausgaben niederschlug. Zincgrefs Politica zeigen die große Spannbreite literarischer Genres und Verfahren sowie frühjournalistischer Darstellungsweisen und rhetorischer Muster, die einem akademisch gebildeten und in der gelehrten Welt etablierten Schriftsteller zur Verfügung standen. Sie wurden wirkungspoetisch kalkuliert in informativer, polemischer und persuasiver Absicht eingesetzt. Aufgrund ihrer Anspielungsdichte bedürfen die Texte dringend einer detaillierten Kommentierung und Kontextualisierung, die nicht nur literaturgeschichtliche, sondern darüber hinaus auch historische Spezialkenntnisse erfordert. Methodisch orientiert sich das editorische Vorhaben am Muster der drei bislang erschienenen, von der DFG geförderten Bände der Werkausgabe. Neu ist der Einsatz des Stilometrieverfahrens, das durch eine quantitative Stilanalyse die Möglichkeit eröffnet, nichtautorisierte Schriften mit höherer Wahrscheinlichkeit einem Verfasser zuzuschreiben. Der Anwendung dieses EDV-gestützten Verfahrens (in Zusammenarbeit mit dem Würzburger Lehrstuhl für Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte) kommt insofern Modellcharakter zu, als seine Leistungsfähigkeit bislang noch nicht an Texten der Frühen Neuzeit erprobt werden konnte.


Publikationen

Schnabel, W.W. (2014). Zincgref-Chronik : Daten zu Leben, Werk und Rezeption Julius Wilhelm Zincgrefs. Erlangen.
Schnabel, W.W., Verweyen, T., & Mertens, D. (Eds.) (2011). Apophthegmata teutsch ; 1. Teilband: Text (= Zincgref, Julius Wilhelm: Gesammelte Schriften: Bd. 4,1). Berlin: De Gruyter.
Schnabel, W.W., Verweyen, T., & Mertens, D. (Eds.) (2011). Apophthegmata teutsch ; 2. Teilband: : Erläuterungen und Identifizierungen (= Zincgref, Julius Wilhelm: Gesammelte Schriften: Bd. 4,2). Berlin: De Gruyter.
Schnabel, W.W., Verweyen, T., & Mertens, D. (Eds.) (2011). Apophthegmata teutsch <br />. Tübingen: De Gruyter.
Schnabel, W.W. (2011). Griechen, Römer und die „alten Teutschen". Normhegemonie und kulturelle Perspektivierung in Zincgrefs „Apophthegmata". In Heinen Ulrich (Eds.), Welche Antike? Konkurrierende Rezeptionen des Altertums im Barock (pp. 247-260). Wiesbaden: Harrassowitz.
Schnabel, W.W. (2011). Zincgrefs „Quodlibetisches Weltkefig". Eine satirisch-polemische Flugschrift gegen den politischen Katholizismus. In Kühlmann Wilhelm (Eds.), Julius Wilhelm Zincgref und der Heidelberger Späthumanismus : zur Blüte- und Kampfzeit der calvinistischen Kurpfalz (pp. 223-262). Ubstadt-Weiher: Verlag Regionalkultur.
Verweyen, T., & Schnabel, W.W. (1997). Angewandte Emblematik und Stammbuch. Interpretationsprobleme am Beispiel verarbeiteter "Emblemata Zincgrefiana". In Hans-Peter Ecker (Eds.), Methodisch reflektiertes Interpretieren. Festschrift für Hartmut Laufhütte zum 60. Geburtstag (pp. 117-155). Passau: Wissenschaftsverlag Rothe.

Zuletzt aktualisiert 2018-24-09 um 12:58