Das japanische Gesundheitssystem: Analyse von Finanzierung und Vergütung

Journal article
(Original article)


Publication Details

Author(s): Rump A, Schöffski O
Journal: Gesundheitswesen
Publication year: 2017
ISSN: 1439-4421
Language: German


Abstract


 



Zusammenfassung



Ziel Das Gesundheitssystem Japans wurde in der Meiji-Periode (1868–1912) am Beispiel Deutschlands aufgebaut. In dieser Arbeit werden das Finanzierungs- und Vergütungssystem des japanischen Gesundheitswesens dargestellt. Dabei sollen die Hauptinstrumente zur Systemsteuerung und Kostendämpfung herausgearbeitet werden.



Methodik Selektive Literaturrecherche.



Ergebnisse Es besteht Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung für alle Bewohner Japans ohne Wahlmöglichkeit unter den mehr als 3000 Kassen. Die Zuständigkeit richtet sich in erster Linie nach dem Beschäftigungsverhältnis und in zweiter Linie nach dem Wohnort. Angestellte in der Privatwirtschaft und Angehörige des öffentlichen Dienstes sind in Arbeitnehmer-Krankenkassen versichert. Selbständige, Arbeitslose und Rentner werden, auch nach früherer Mitgliedschaft in einer Arbeitnehmer-Krankenkasse, in der Regel der Ortskrankenkasse des Wohnorts zugeordnet. ältere Menschen ab dem 75. Lebensjahr sind in besonderen Krankenkassen, die auf Präfekturebene verwaltet werden, versichert. Die deutlichen Risikostrukturunterschiede werden durch Ausgleichszahlungen zwischen den Kassen und erhebliche Steuerzuschüsse ausgeglichen. Gesundheitsleistungen werden nach einer einheitlichen Vergütungsordnung erstattet. Diese stellt gleichzeitig eine Positivliste dar und regelt auch die 0Voraussetzungen unter denen einzelne Leistungen abgerechnet werden dürfen. Die Vergütungsordnung wird alle 2 Jahre unter Federführung des Gesundheitsministeriums aktualisiert. Eine differenzierte überarbeitung dient sowohl der Dämpfung der Ausgabenentwicklung als auch der Förderung gesundheitspolitischer Ziele.



Schlussfolgerungen Die grundlegenden Strukturen zur Finanzierung des Systems und die Mechanismen zur Umverteilung der Finanzmittel im japanischen Gesundheitswesen sind fest etabliert und weisen einen eher statischen Charakter auf. Das japanische Gesundheitssystem wird kurz- und mittelfristig hauptsächlich über die einheitliche alle Leistungen umfassende Vergütungs- und Erstattungsordnung gesteuert. Durch die regelmäßige überarbeitung kann in kurzen zeitlichen Abständen auf Veränderungen der Lage reagiert werden, und durch eine Politik der „kleinen Schritte“ wird eine Optimierung der Gesundheitsversorgung angestrebt.



 



Abstract



Objective The modern Japanese health care system was established during the Meiji period (1868–1912) using the example of Germany. In this paper, the funding and remuneration of health services and products in Japan are described. The focus lies on the mechanisms used to implement health policy goals and to control costs.



Method Selective literature search.



Results All permanent residents in Japan are enrolled in one of more than 3,000 compulsory health funds. Employees and public servants are covered through company or government-related health insurance schemes. Independent workers, the unemployed and the pensioners are usually assigned to health insurance plans managed by local city governments. The elderly over 75 years are insured through special health funds managed at the prefectural level. To correct the fiscal disparities among the health insurance programs, a risk adjustment is realized by compensatory financial transfers between the funds and substantial subsidies from the central and local governments. The statutory benefits package that is identical for all insurance plans is regulated in a single comprehensive schedule. All the covered health services and products are listed with the fees and compensations, and the conditions for the service providers to be remunerated are also stated. This fee and compensation schedule is regularly revised every 2 years under the leadership of the Ministry of Health, Labor and Welfare. The revisions are intended to contain health expenditures and to set incentives for the achievement of health policy goals.



Conclusion The funding of the Japanese health care system and the risk adjustment mechanisms among health funds are well established and show a rather static character. The short- and mid-term development of the system is mainly controlled on the side of the expenditures through the unique and comprehensive fee and compensation schedule. The regular revisions of this schedule permit to react at relatively short notice to evolving situations, and through a policy of small improvements, target an optimization of the system as a whole.


FAU Authors / FAU Editors

Schöffski, Oliver Prof. Dr.
Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Gesundheitsmanagement


How to cite

APA:
Rump, A., & Schöffski, O. (2017). Das japanische Gesundheitssystem: Analyse von Finanzierung und Vergütung. Gesundheitswesen. https://dx.doi.org/10.1055/s-0043-114001

MLA:
Rump, Alexis, and Oliver Schöffski. "Das japanische Gesundheitssystem: Analyse von Finanzierung und Vergütung." Gesundheitswesen (2017).

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Last updated on 2018-11-08 at 02:57