Rundum gesund? Die Mischungs macht's! Gesundheitspädagogik in der Grundschule

Eigenmittelfinanziertes Projekt


Details zum Projekt

Projektleiter/in:
Dr. Meike Munser-Kiefer

Projektbeteiligte:
Carmen Trautner

Beteiligte FAU-Organisationseinheiten:
Institut für Grundschulforschung
Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik mit dem Schwerpunkt Umgang mit Heterogenität

Projektstart: 01.05.2013
Projektende: 30.07.2013


Forschungsbereiche

Lehren und Lernen im Sachunterricht
Institut für Grundschulforschung


Abstract (fachliche Beschreibung):

Theoretischer
Hintergrund und Forschungsstand



Die Gesundheitspädagogik in der Grundschule steht vor einem
Dilemma: Einerseits sollte sie präventiv früh ansetzen, um der Entstehung
ungünstiger stabiler Verhaltensweisen entgegenzuwirken. Andererseits haben
Grundschüler in der Regel noch keine gesundheitlichen Schwierigkeiten, so dass
dieses Wissen und diese Verhaltensweisen noch nicht zwingend erforderlich sind.
Zudem haben Grundschulkinder wenig Einfluss auf zentrale Bereiche (wie z.B.
Ernährung), da dies der Kontrolle der Eltern obliegt. So laufen gesundheitspädagogische
Inhalte oft Gefahr, zu trägem Wissen zu werden.



Eine weitere Schwierigkeit der Gesundheitspädagogik ist,
dass das Thema Gesundheit oft auf den körperlichen Aspekt verkürzt und damit
eine veraltete Vorstellung transportiert wird, die sehr absolut und zum Teil wenig
beeinflussbar gesehen wird.



Dagegen ist heute Konsens, dass Gesundheit neben
körperlichen auch geistige und soziale Komponenten hat. Darüber hinaus sind
gesund und krank keine absoluten Antinomien sondern die Enden eines Kontinuums:
So kann ein Mensch mit einem körperlichen Leiden dennoch das Gefühl haben,
weitgehend gesund zu sein, wohingegen ein körperlich gesunder Mensch mit
psychischen Problemen sehr krank sein kann. Mit dem Wissen um die verschiedenen
Komponenten lässt sich Gesundheit im körperlichen, geistigen und sozialen Bereich
vielfältig aktiv beeinflussen.



Die Grundidee des Forschungsprojektes „Rundum gesund? Die
Mischung macht’s!“ ist es, hier anzusetzen: Das Gesundheitsverständnis der
Kinder soll über den körperlichen Bereich hinaus ausdifferenziert werden
(biopsychosozialer Gesundheitsbegriff). Sie sollen begreifen, dass Gesundheit
und Krankheit ein Kontinuum sind (relativer Gesundheitsbegriff) und dass sie
ihr eigenes Gesundheitsempfinden durch vielfältige Verhaltensweisen aktiv
beeinflussen können (Selbstkonzept und Selbstwirksamkeitserwartungen in Bezug
auf Gesundheit). Besonders bedeutsam ist dabei, dass die verschiedenen
Gesundheitsaspekte in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden können
(dynamischer Gesundheitsbegriff).



Fragestellungen



Das zentrale Erkenntnisinteresse dieses Projektes liegt auf
den Präkonzepten der Grundschulkinder entsprechend auf folgenden
Forschungsfragen:

  1. Welches Verständnis von Gesundheit haben
    Grundschulkinder am Ende der Grundschulzeit?
  2. Lässt sich der Gesundheitsbegriff bereits im
    Grundschulalter mit Hilfe einer Intervention ausdifferenzieren?



Methode: Design,
Stichprobe, Instrumente



Diesen Fragen wurde in einer quasi-experimentellen
Interventionsstudie im Prä-Posttest-Design mit Kontrollgruppe (12 Klassen der
4. Jahrgangsstufe in bayerischen Grundschulen, N = 243) nachgegangen.



Die Intervention bestand aus sechs doppelstündigen
Unterrichtseinheiten zu fünf zentralen Themen der Gesundheit (Ernährung,
Bewegung, Freunde, Entspannung, Alltagssüchte). Sie wurde in fünf Klassen
durchgeführt sowie mit quantitativen und qualitativen Datenerfassungs- und
–analysemethoden evaluiert: Eingesetzt wurden Fragebögen mit offenem und
geschlossenem Antwortformat. Darüber hinaus wurden von den Schüler/innen
Fallbeispiele bearbeitet, die Hinweise auf die Ausprägung des dynamischen
Gesundheitsbegriffs liefern sollten. Zusätzlich wurden mit randomisiert
ausgewählten Kindern (N = 25) leitfadengestützte Interviews zum
Gesundheitsverständnis geführt.



Ergebnisse



Die Ergebnisse zeigen, dass etwa 25 % der Kinder am Ende der
Grundschulzeit über ein relativ ausdifferenziertes Gesundheitsverständnis
verfügen, während 75 % der Kinder einen eher eindimensionalen
Gesundheitsbegriff aufweisen. Bei 25 % der Kinder finden sich sogar beim
biologischen Aspekt noch große Defizite, dass diese Kinder eventuell vorsichtig
als Risikogruppe bezeichnet werden könnten. Die Posttests zeigen signifikante
Zuwächse zugunsten der Treatmentgruppe. Bei der Gruppe der möglichen
Risikokinder finden sich deskriptiv deutliche Zuwächse mit Effektstärken von d
= 1.11 – ein Hinweis darauf, dass sich bereits im Grundschulalter bei Kindern
aller Gruppen ein differenziert(er)es Verständnis von Gesundheit anbahnen
lässt.


Zuletzt aktualisiert 2018-20-12 um 12:38