Wissen - Zeitlichkeit - Kulturvergleich


Organisationseinheit:
Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie

FAU Kontaktperson:
Paul, Heike Prof. Dr.
Matten, Marc Prof. Dr.
Fischer, Robert Dr.

Beschreibung:


Wissen



Die aktuelle Forschungsausrichtung an der PhilFak im Bereich soziokultureller und historischer Bedingungen von Wissen und Wissensformationen fokussiert auf Ansätze, die sich mit der Genese und (Re-)Produktion von impliziten und amorphen Wissensrepertoires sowie expliziten ‚Beständen‘ und Archiven (D. Taylor) beschäftigen. Der Wissensbegriff wird dabei sowohl propositional als explizites und sprachlich kodifiziertes Wissen verstanden als auch nicht-propositional im Sinne eines ‚schweigenden‘, prä-reflexiven Wissens, das in Körperpraktiken, Erfahrungswissen und Traditionen, aber auch in Gefühlsstrukturen und Affekten wirksam wird (Polanyi, Ryle, Neuweg, Shotwell). Diese multidimensionalen Konzeptualisierungen von Wissen distanzieren sich in kritischer Weise von einem primär kognitiven Wissensbegriff, der u.a. auch in eurozentrischen (Wissenschafts-)Diskursen vorherrscht, und ermöglichen so auch nicht-europäische Konzepte von Wissen in den Blick zu nehmen, die kulturell divergente Raum- und Zeitkonzepte beinhalten.



Zeitlichkeit



Innerhalb der verschiedenen Forschungsstränge der PhilFak der FAU wird Zeitlichkeit als eine grundlegende, wenn auch meist implizit bleibende Dimension soziokultureller Ordnungen und Prozesse analysiert. Dabei wird unter anderem untersucht, wie „Zeit“ in unterschiedlichen sozialen, kulturellen, politischen und historischen Konstellationen begriffen und wahrgenommen wird, wie mediale und narrative Repräsentationen die individuellen und kollektiven Praktiken reflektieren und zugleich präfigurieren (d.h. auch das Erleben von „Zeit“ steuern) und zudem, wie sich solche (hegemonialen) Zeitregime verändern, z.B. unter den Bedingungen der spätkapitalistischen Globalisierung bzw. welche Beharrungskräfte hier wirken (Rosa, Welzer). Es geht dabei um die Untersuchung von narrativen oder memorialen Erzähl- und Gedächtnisstrukturen, die Vergangenes bewahren, tradieren oder reiterieren helfen und schließlich um topografische Modellierungen einer Zukunft, die in prognostischen oder prophetischen Verfahren Strategien der Kontingenzbewältigung im Sinne einer Bewahrung bzw. Modifikation symbolischer und sozialer Ordnungen entwerfen sollen. „Zeit“ wird darüber hinaus jedoch auch als präsentisches Moment einer herausgehobenen Erfahrung oder eines lebensweltlichen sowie auch eines vorreflexiven Daseins verstanden und damit unter einem stärker subjektiven Index analysiert.



Kulturvergleich



Symbolische und soziale Ordnungen sind, ebenso wie der gesamte Komplex der Wissensproduktion, in hohem Maße kulturspezifisch, und ihre Analyse bedarf daher eines kulturvergleichenden Ansatzes, der die Erkenntnisse der kulturhermeneutischen Forschung rezipiert und berücksichtigt. Es gilt daher, den jeweiligen Verstehenshorizont der untersuchten Phänomene zu rekonstruieren und mit den eigenkulturellen Prämissen zu vergleichen, um vorschnelle Universalisierungen zu vermeiden. In einem zweiten Schritt wird dann in den Blick genommen, was in einem weiten Sinne als transkulturell betrachtet werden kann. Diese Interkulturalitätsproblematik ist hierbei nicht auf die Verhältnisse zwischen tradierten Kulturen und Kulturräumen beschränkt, sondern auch in vermeintlich binnenkulturellen Verhältnissen, wie etwa zwischen verschiedenen funktional differenzierten Ordnungsbereichen oder in der Gruppeninteraktion pluraler und multikultureller Gesellschaften, virulent. Die Fokussierung auf Interkulturalität bedarf auch der ergänzenden Analyse von quer zu kulturellen Grenzsetzungen verlaufenden Prozessen; darunter fallen die verschiedenen Formen der Transkulturation, Hybridisierung und kulturellen Mobilität (von Menschen und Wissen) einerseits und die Frage nach transnationalen Vernetzungen und transnationalen öffentlichkeiten andererseits, die jenseits etablierter In- und Exklusionsmechanismen operieren.



Zugewiesene Publikationen

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Risi, C. (2018). Die ästhetische Gewalt des Krieges in der Oper. In Aida Bosch; Hermann Pfütze (Eds.), Ästhetischer Widerstand gegen Zerstörung und Selbstzerstörung. (pp. 119-130). Wiesbaden: Springer VS.
Kley, A. (2018). Literature and Knowledge: An Introduction. In Antje Kley, und Kai Merten (Eds.), Literature and Knowledge. Frankfurt/M.: Lang.
Paul, H. (2018). "Schwarze Sklaven, Weiße Sklaven": The German Reception of Harriet Beecher Stowe's 'Uncle Tom's Cabin'. In Tracy C. Davis, Stefka Mihaylova (Eds.), Uncle Tom's Cabins - The Transnational History of America's Most Mutable Book. (pp. 192-222). Ann Arbor, USA: University of Michigan Press.
Tamer, G. (2018). Überlegungen zum Verhältnis von Geschichte und Prophetie im Koran. In Joar Haga, Sascha Salatowsky, Wilhelm Schmidt-Biggemann und Wolfgang Schoberth (Eds.), Das Projekt der Aufklärung. Philosophisch-theologische Debatten von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. (pp. 483-496). Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt.
Kley, A., & Höpker, K. (2018). Unruly Creatures, Obstinate Things – Bio-Objects and Scientific Knowledge Production in Contemporary Science Novels. In Sina Farzin, Roslynn Haynes, Susan M. Gaines (Eds.), Under the Literary Microscope: New Perspectives on Science in Society from Contemporary Fiction. University Park, PA: Penn State UP.
Kley, A. (2018). US Print Culture, Literary Narrative, and Slow Reading in the Age of Big Data: Steve Tomasula’s VAS – An Opera in Flatland. In Heike Schaefer and Alexander Starre (Eds.), Medium, Object, Metaphor: The Printed Book in Contemporary American Culture..
Kley, A., & Höpker, K. (2017). Beyond the Laboratory: Biotechnology and Literary Knowledge Production in Contemporary Science Novels. Literatur in Wissenschaft und Unterricht, XLVIII, 3 (2015), 195-212.
Risi, C. (2017). Die performative Macht der Geste. Xavier Le Roy re-enactet Simon Rattle, der Strawinskys Le Sacre du Printemps dirigiert. In Brandstetter, Gabriele; Schneider, Katja (Eds.), SACRE 1913/2013. Tanz, Opfer, Kultur (pp. 121-134). Freiburg: Rombach.
Tamer, G., Grundmann, R., Kattan, E.A., & Pinggera, K. (Eds.) (2017). Exegetical Crossroads: Understanding Scripture in Judaism, Christianity and Islam in the Pre-Modern Orient. Berlin/New York: De Gruyter.
Kirchmann, K., Gottwald, M., & Paul, H. (Eds.) (2017). (Extra)Ordinary Presence Social Configurations and Cultural Repertoires. Bielefeld: Transcript.

Zuletzt aktualisiert 2018-24-10 um 10:55